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Erkenntnisse eines Netzbewohners

WordCamp 2011 in Köln – meine Gedanken

6 Kommentare

Letztes Jahr habe ich nach dem WordCamp Berlin noch direkt im Hotelzimmer meinen Rückblick geschrieben. Dieses Jahr war alles irgendwie anders. Ich hatte das erste Mal auf einem WordCamp Sessions gehalten und so wollte ich erst mal ein paar Feedbacks abwarten. Aber momentan kommt da als Rückmeldung vor allem etwas was prinzipbedingt unvermeidbar ist: Frustrierte Erwartungen.

Ein Barcamp/WordCamp ist ein loses Zusammentreffen einer sehr heterogenen Gruppe. Hier treffen sich Core-Entwickler, Theme-Entwickler, Plugin-Entwickler, Designer, WordPress.com-User, Übersetzer, und viele Anwender mit mehr oder weniger Interesse an Community, kommerziellen Produkten, Internationalisierung, soweit es sie nicht direkt betrifft.

Das Problem ist also offensichtlich nicht zu lösen. Wie soll ich bei dieser schieren Masse an Nutzertypen das ideale Camp bauen? An was soll ich mich orientieren? Die Sessionbeschreibungen waren offensichtlich nicht ausreichend genug, um den einzelnen vor der Wahl einer falschen Session zu bewahren. Auch die Selbst-Einschätzung nach Anfänger, Fortgeschritten und Profi ist sehr heikel, wenn es keine klaren Maßstäbe gibt, wie diese Einschätzungen zustande kommen sollen. Während sich der eine schon “Profi” nennt, traut sich der andere bei gleichem Kenntnisstand gerade mal “Forgeschritten” zu. Die Kategorie wird damit so grob, dass sie kaum noch hilft. Zudem kommt hinzu, dass ich mich auf verschiedenen Bereichen unterschiedlich einschätzen könnte. Entwickler-Fortgeschritten, Design-Anfänger und SEO-Profi – und was nun? Was bin ich jetzt?

Foyer beim WordCamp

Selbst die geforderte Vorstellungsrunde hätte da meines Erachtens kaum etwas gebracht (was kein Grund wäre, es nicht nächstes Jahr trotzdem damit zu versuchen!). Denn bei über 250 Teilnehmern und zahlreichen Sessions wäre die Runde ewig lang geworden. Fraglich, ob die Erklärungen zu den Sessions hier länger und weniger missverständlich geworden wären. Einzig die ausgefallenen Sessions hätten an dieser Stelle schon einen Stellvertreter finden, oder für alle als “fällt aus” markiert werden können. Ein absoluter Gewinn, da dies wohl für viel Frust gesorgt hat.

Vielleicht lässt man die Sessionleiter beim nächsten Mal diese Frage selbst beantworten:

  • “Für wen ist deine Session gedacht?”
  • “Was wird vorausgesetzt?”

Das wäre bei meiner Session zum Thema “WordPress.com-Blogs individualisieren” dann so ausgefallen:

  • Für alle die ein Blog bleim Bloghoster WordPress.com haben und dieses (mit z.T. wenig bekannten Features) voll ausreizen möchten.
  • CSS-Grundlagen für einzelne Bereiche (Custom Design-Upgrade)

Aber auch so können natürlich immer noch Missverständnisse entstehen, aber vielleicht hilft es ein wenig.

Was die Enttäuschungen innerhalb der Session angeht, da ist jeder auch selbst gefordert auch den Mund aufzumachen. Wenn 20 Leute im Raum sind und 19 davon gerade nichts Neues erfahren, dann kann man das dem Sessionleiter ja kurz mitteilen. Vielleicht überspringt man dann bekannte Teile und diskutiert lieber mehr über Details auf einem nun höheren Niveau. Wenn niemand etwas sagt, dann orientiert man sich ggf. zu weit unten, weil man niemanden ausschließen möchte (siehe Anzahl unterschiedliche Nutzertypen!).

Ich gehe jetzt mal kurz die Sessions durch, die ich mir angehört habe:

Session 1 – eShops-Systeme

Die beiden Sessionleiter haben kurz alle wichtigen, kostenlosen Shopsysteme auf Pluginbasis für WordPress vorgestellt. Und zwar vor dem besonderen Hintergrund ob die Systeme eine Importfunktion haben. Das Ergebnis ist eine Fleißarbeit, die nett war, aber 1. sehr ernüchternd, was die Fakten angeht und 2. durch eine Recherche im Plugin-Repository auch jeder selber hätte machen können. Ich hatte für ein kommendes Projekt gerade Shopsysteme recherchiert und hörte hier leider kaum Neues. Testen muss man die Systeme ja trotzdem, ob sie für das aktuelle Projekt geeignet sind.

Kommerzielle Systeme, wie z.B. das für Deutschland hergestellte wpShop Germany wurden nicht erwähnt.

Das Fazit der Session war dann kurios: Die beste Lösung ist WordPress gar nicht für den Shop zu verwenden, sondern ein echtes Shopsystem (wie Oxid, Prestashop oder Magento), denn bei einem Shop sollte der Shop primär und das wichtigste Element sein. Ein Blog kann dann über ein gleich aussehendes Theme ergänzt werden.

Für meinen aktuellen Fall hat es sich trotzdem gelohnt, die Session anzuhören. Ich werde mir Quickshop und Jigoshop, letzteres trotz der WooCommerce/Fork-Geschichte, mal näher anschauen. Recherche-Bestätigung ist auch was Schönes!

Session 2 – WP.com Blogs individuell

Meine erste Session …

Die Bewertung müssen daher andere vornehmen. Sie war (vermutlich durch den Ausfall der Session von Vladimir Simovic) recht gut besucht. Erstaunlich war, dass viele Selbsthoster dabei waren, die WordPress.com dann benutzen, wenn sie schnell und unkompliziert mal ein Blog benötigen (oder natürlich wg. dem Stats-API-Key …)
Ich hatte am Ende doch zu wenig Zeit, bin kaum durchgekommen, daher konnten am Ende leider keine Fragen mehr gestellt werden und ich stelle mir selbst immer noch die Frage, ob die Hörer damit nun etwas anfangen konnten oder nicht. War ich zu sehr auf Anfänger eingestellt oder zu wenig? Ich freue mich auf Feedback!

Die Slides sind auch schon online.

Mein Einstieg war auf jeden Fall schon mal gut … ;-)

Session 3 – Spaßbremse Recht

Für mich unverständlich warum hier viele Blogger von einer guten Session sprechen. Ja, der Vortrag war super, sehr unterhaltsam und sicher in seinem Wissen, aber ehrlich: Wer war von den Inhalten noch überrascht?

Wer ein Haustier hat, sollte wissen, wie man es füttert. Wer ein Blog hat, der sollte wissen, wie man es betreibt. Dazu gehört auch die Kenntnis der rechtlichen Seite. Ich habe jahrelang in der Jugendpresse geschrieben und Veranstaltungen organisiert, inzwischen habe ich ein paar Jahre nebenberuflich Webseiten gemacht. Ich also wahrlich kein Profi, aber Impressumspflicht, TMG, RDStV, das alles sollte einem nicht mehr neu sein – genauso wie die Tatsache, dass der Haftungsausschluss vom LG Hamburg, den alle so gerne zitieren, eigentlich genau den umgekehrten Fall beschreibt. Ich habe hier nichts Neues gehört, außer viel Naivität auf Seiten des Publikums. Ein bisschen erschreckend … ;-)

Session 4 – Podcasting auf WP.com

Meine zweite Session. Auch hier müssen andere die Bewertung vornehmen …

Wir waren nur eine Handvoll Personen und das Thema war nicht so komplex wie bei meiner ersten Session, so dass ich hier recht schnell durch war. Fortan entwickelte sich das Ganze eher zu einer WP.com-Session Nr. 2, was womöglich daran lag, dass einige meine erste Session nicht hören konnten, weil sie bei Teil 2 der Einsteiger-Session von Olaf Baumann waren. Leider keine sehr glückliche Session-Planung. Ist mir zu spät aufgefallen und vor Ort wurde aus Zeitgründen auf die Sessionvorstellung verzichtet, so dass sich hier leider nichts mehr ändern konnte.

Nochmal zur Sessionplanung generell:
Ich habe kein Problem mit einer festen Sessionplanung (was daran liegen mag, dass ich bisher auf keinem anderen Barcamp war), aber man sollte diese feste Planung auch entsprechend nutzen. Ich hatte Sessions bereits im System auf WordCamp.de markiert, also Interesse daran angemeldet. Meine eigenen Sessions waren dann genau parallel dazu geplant worden. Darauf wurde also anscheinend nicht geachtet. (Oder doch, aber es ging nicht anders?) WordPress.com-Sessions und eine WordPress-Einsteiger-Session sollte man nicht parallel legen, weil die Zielgruppe viel zu sehr übereinstimmt. Feste Sessions okay, aber mit mehr Sorgfalt bei der Planung!

Auch hier sind die Folien zu meinen Vortrag schon online.

Feedback ist willkommen!

Session 5 – XtremeOne

Noch bin ich kein Vollzeit-WordPress-Themebauer, daher war der Mehrwert für mich nicht ersichtlich. Eine Dauerwerbesendung mit rasend schneller Selbstbeweihräucherung inklusive unfreiwilliger Komik (“bestes Widget-System der Welt [lachen] Nee, echt.”).

Vielleicht bin ich nicht kompetent genug, die Genialität des Werks zu würdigen, aber in der Geschwindigkeit und Art war das Ganze für mich völlig irrelevant. Dabei bin ich durchaus ein möglicher Kunde! Das Abspielen des Demovideos hätte denselben Effekt gehabt, dazu brauche ich aber kein WordCamp. Das kann ich auf der Homepage von zuhause haben.

Das soll überhaupt nichts Schlechtes über das Produkt aussagen, ich fand nur die Session nicht gut. Tut mir Leid.

Session 6 – Übersetzerrunde

Erschreckend: Wenn ich gewusst hätte, dass das WordPress Deutschland-Übersetzerteam *nur* aus Olaf Baumann besteht, dann hätte ich diese Sesssion nie eingereicht. Warum auch. Ich hätte meine Fragen einfach mit Olaf direkt geklärt. Dazu hätten wir keiner Session bedurft. So hatten wir ein sehr nettes, kleines Gespräch mit noch zwei Teilnehmern (unter anderem Bernhard Kau) über PoEdit, GlotPress und die Schwierigkeit beim Übersetzen generell und im Speziellen bei WordPress. Bernhard hat auch nochmal unsere spannendste Erkenntnis der Session im Codex herausgesucht. Nämlich wie man Übersetzungen mit einem Kontext versieht. Interessant ist auch, dass Automattic wohl überlegt die Sprachdatei direkt aus der Community-Lösung translate.wordpress.org zu beziehen. Damit würde WPD wohl oder übel die zentrale Lösung aufgeben müssen und mit dem GlotPress-System von WordPress.org arbeiten. Ungelöst ist dabei noch, wie dann neben der Du-Version noch die Sie-Version angeboten werden soll.

In diesem Zusammenhang mal wieder aufgefallen: Nach der Übernahme von de.wordpress.org durch WPD wurde ja alles soweit umgestellt, dass auf wordpress-deutschland.org verlinkt wird. Nur der direkte Link zum Forum ist immer noch möglich:

http://de.forums.wordpress.org/

Da schreiben auch immer wieder Leute, nur antwortet da niemand. Ist ja auch klar, da niemand dieses Forum betreut und der Großteil im Forum von WPD schreibt …

Session 7 – Jeopardy-Konfusion

Echt lustige, nerdige Idee. Aber die Regeln sollte man *vorher* abklären. Dazu gehört auch die Klärung wie Punkte vergeben werden und wer sie wie aufzeichnet … ;-)
Insgesamt schon irgendwie unterhaltend, aber manchmal auch eher unfreiwillig. Toscho als Joker, der darauf augenscheinlich überhaupt keinen Bock hat!? Für mich als Außenstehender witzig, aber nicht unbedingt hilfreich. Mit mehr Erklärungen, was die Lösungen angeht, ist das aber ein lustiges Spiel für den WordPress-Nerd. Ich bastle mir dann ein Jeopardy mit Videoformaten und spiele das bei uns im Büro … :-)

Foto: Alexander Frison

Nach dem WordCamp war ich dann endgültig todmüde. (Obwohl ich nicht derjenige auf dem Foto bin, der die Augen geschlossen hat, dass ist Thomas ‘Toscho’ Scholz.) Zwei Wochen habe ich das Finale vom Büro des Todes in Nachtschichten mit abgemischt und fertig gemacht, dann am Samstag Morgen drehte sich der Spieß um, statt um drei Uhr ins Bett zu gehen, bin ich um 3 Uhr aufgestanden, habe geduscht, bin ab zum Hauptbahnhof und dann nach Köln. Hier Mittags nur ein paar Brötchen … Als ich um 19 Uhr mit der Inpsyde-Crew Richtung Aachener Weiher ging, war ich so ungesprächig und müde, dass mir irgendwann schlagartig klar wurde, dass ich jetzt schnell etwas essen und ins Bett muss, bevor ich hier auf der Wiese einschlafe. Das ist echt schade, weil ich mich zu gerne noch näher mit den Inpsydes unterhalten hätte, aber die Lautstärke in dem Biergarten und die Tatsache, dass ich stumm war und kein Bier trank, mich in der Außenwahrnehmung wohl etwas langweilig erscheinen lassen mussten. Also zog ich die Reißleine und ging was Essen und ins Bett, was eine absolut richtige Entscheidung war. Wenn auch etwas bescheuert, wenn man zum Netzwerken hinkommt und dann alleine isst … Egal.

Es war ein schönes WordCamp, ich hatte viel Spaß, habe zwei Sessions gehalten und werde auch nächstes Jahr wieder dabei sein!

Ein riesengroßes Dankeschön an die Orga! Für das Bereitstellen einer großartigen Plattform für viele WordPressler. DANKE!

Autor: Torsten

Webworker, Moderator im deutschen WordPress.com Supportforum und lebendiges Videoformate-Lexikon.

6 thoughts on “WordCamp 2011 in Köln – meine Gedanken

  1. Hallo Torsten, ich fand unsere kleine Übersetzerrunde wirklich toll. Aber deine Kritkik an manchen Punkten ist wirklich berechtigt. Im letzten jahr gab es z.B. zu jeder Session eine genaue Beschreibung, was der Inhalt sein wird und daran hat sich der Referent auch gehalten. Dieses Jahr waren die Sessions in der Übersicht nur auf die Gruppen verlinkt, die keinerlei Beschreibung hatte. Ich musste ständig in den alten Artikeln nach dem “Sessionvorschlag xyz” suchen, um die vollständige (und noch immer zu kurze) Beschreibung zu finden. Auch gab es im letzten Jahr durch die echten Seiten zu jeder Session auch einen Ablageplatz für Materialien (z.B. die Präsentation oder weiterführende Links). Ich weiß auch nicht, wieso es in diesem Jahr einen Rückschritt in vielen Dingen gab und es bleibt zu hoffen, dass es im nächsten Jahr wieder besser wird.

    Ich finde es überigens genial, dass du deinen eigenen Blog konsequenterweise auf WordPress.com hostest und nicht auf deinem eigenen Server. So bleibst du immer auf dem Laufenden und deine Ratschläge wirken noch seriöser. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr und vielleicht sind wir dann mehr als 4 in unserer kleinen Runde :)

    • Die Sache mit den Beschreibungstexten empfand ich ebenso als störend. Ich habe dazu in einem Kommentar bei Frank Bültge etwas zu geschrieben, aber der ist leider noch nicht freigeschaltet. Ist aber genau das gleiche Problem, was ich beschrieben habe!

      Im letzten Jahr konnte man an den Session-Artikel auch prima einen Pingback/Trackback senden, um auf weitere Infos zu verweisen. Das macht dieses Jahr nicht so viel Sinn.

      Unsere kleine Runde fand ich auch sehr nett. Und danke für deine netten Worte. Ich überlege tatsächlich immer wieder auf einen selbst gehosteten Blog zu wechseln. Aber dann werde ich wohl nicht mehr wirklich auf dem letzte Stand bleiben, was WordPress.com angeht. Daher vielen Dank, dass dies als Vorteil gesehen wird. Freut mich, dass es gesehen wird! :-)

  2. Pingback: WordCamp Deutschland - Köln, 24.09.2011 | Blog | Links zu Blogeinträgen, Fotos, Folien zum WordCamp 2011

  3. Pingback: Webentwicklung: WordCamp 2011 und es kam einiges anders | Das Örtchen

  4. Moin Thorsten,

    heute bin ich zufällig (wieder) auf das “deutsche” Forum (http://de.forums.wordpress.org/) bei wordpress.org gestoßen. Sehr interessante “Hot Topics”. 483 Themen und 799 Beiträge…

    Bei der Suche nach Ansprechpartnern bin ich auf Deinem Blog gelandet, habe mich dann aber doch entschieden, Jane Wells direkt anzuschreiben. Frage nach den verantwortlichen Moderatoren und der Bitte, den Link in der gelben Informationsleiste (WordPress support forums are also available in Deutsch.) unter http://wordpress.org/support/ auf http://forum.wpde.org/ umzustellen. Die Zahlen sind m.E. ein Argument für WPD: Themen: 90.830, Beiträge: 421.233, Benutzer: 44.025, Aktive Benutzer: 1.395

    Mal sehen, ob sie reagiert…

    Viele Grüße,
    Nick

    PS: Ich war übrigens Nr. 4 in der Übersetzer-Runde.

    • Ja, dann ist das Quartett ja komplett :-)

      Wobei ich mich ein wenig wundere, dass ich als Ansprechpartner gefunden werde, wenn du nach dem WordPress.ORG-Forum suchst … ich hoffe, das ist nur der Ähnlichkeitssuche von Google geschuldet und nirgendwo falsch vermerkt.

      Halt mich bitte auf dem Laufenden, was Jane Wells dir antwortet.

      Gruß, Torsten

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